Jetzt im Kino: Roads – ein Film über Flucht und Freundschaft

Filmtipp: Roads

 

Dieser Film vereint vieles in sich. Teils ist er ein Roadmovie (wie der Titel auch schon suggeriert), der eine abenteuerliche Reise in einem Wohnmobil von Afrika nach Europa nachzeichnet. Gleichzeitig ist „Roads“ ein Buddy-Movie, der von der wachsenden Freundschaft zwischen dem bald 18-jährigen Gyllen und dem etwa gleichaltrigen William erzählt. Der Film ist auch eine Coming of Age Geschichte, am Ende derer beide Jugendlichen ihre Kindheit hinter sich gelassen haben, und zu reiferen Persönlichkeiten herangewachsen sein werden. Und obendrein handelt der Film auch noch von einem derzeit allen politischen Debatten beherrschenden Thema: Flucht und Migration. Denn der Ort, wo die Geschichte beginnt, der Ort, wo sich Gyllen und William zum ersten Mal begegnen, ist in den heutigen globalen Debatten kein harmloser Ort mehr. In Marokko machen Familien aus Europa Urlaub. In Marokko versuchen Familien aus Afrika einen Weg zu finden, nach Europa in ein besseres Leben zu gelangen. Puh! So viel Stoff, denken Sie jetzt vielleicht und befürchten einen völlig überfrachteten Film. Diese Angst ist völlig unbegründet, denn der Film verwebt alle seine Themen auf genialer Weise miteinander und bleibt spannend und bewegend bis zum Schluss.

Kurz zum Inhalt: Genervt vom Familienurlaub in Marokko, und insbesondere von seinem Stiefvater, haut Gyllen mit dem Familienwohnmobil einfach ab. Er will zu seinem leiblichen Vater fahren, ein cooler Typ, der irgendwo in Frankreich lebt. Nach Frankreich will auch William, der dort seinen Bruder vermutet. Dieser ist wie so viele junge Männer aus dem Kongo geflohen, auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa. An einem Touristenstrand in Marokko begegnen sich die beiden Jungs aus zwei völlig unterschiedlichen Welten – und entdecken, dass sie eigentlich vieles gemeinsam haben. Zum einen suchen beide nach ihrer Familie, nach Liebe und nach ihrem Platz in der Welt. Und dann vereint sie, dass sie Kids der heutigen Generation in einer globalisierten Welt sind. Ob in London oder in Kinshasa – die Träume der Jugend und die Helden der Popkultur sind die gleichen. „Trotz aller Unterschiede können sie Freunde werden. Darin steckt bereits eine große Hoffnung. Menschen können sich begegnen und entdecken, das es viel mehr gibt, was uns eint, als das, was uns voneinander trennt“, sagt der Produzent des Films, David Keitsch.

Freunde fürs Leben? Gyllen und William in Roads © STUDIO CANAL

Das Trennende, das sind die politischen Machtverhältnisse, die den globalen Norden zum Bestimmer über z.B. die Bewegungsfreiheit von Menschen aus dem globalen Süden macht. Während sich Gyllen ganz legal über Ländergrenzen hinweg bewegen darf, genießt William diese Reisefreiheit nicht. Er muss sich versteckt halten, als „illegaler Flüchtling“ droht ihm täglich die Abschiebung. Gyllen, der sich zuvor nicht sonderlich mit Nord-Süd-Themen beschäftigt hat, ist am Ende der Reise politischer geworden – und desillusionierter. Er hat gesehen, wie Geflüchtete in Calais leben. Er hat mitbekommen, was Rassismus bedeutet. Und er hat die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass ein leiblicher Vater ein Fremder sein kann. Auch William hat viele Illusionen im Laufe der Reise verloren. Europa ist nicht das Paradies, von dem sein verschwundener Bruder der Familie im Kongo erzählt hat. Erwachsenwerden ist ein schmerzhafter Prozess. Träume zerplatzen, Familien leben sich auseinander, Geliebte Menschen sterben.

Doch Freundschaft kann helfen, das Leben erträglich zu machen. Das muss als Happy End genügen. Denn wie es mit seinen jungen Protagonisten ausgeht – ob William am Ende in Europa bleiben darf und ob die Freunde sich jemals wieder begegnen werden – das lässt Sebastian Schipper offen. (ado)

Regie: Sebastian Schipper

Mit: Fionn Whitehead, Stephane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin u.a.

Kinostart: 30. Mai

 

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