Creative Resistance – Schreiben für die SDGs.
Das Ghana-Projekt von VKII-Ruhrbezirk ging im Dezember weiter.

Sich beim Schreiben mit den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen auseinandersetzen – darum geht es in „Creative Resistance“, einem Projekt, dass der VKII Ruhrbezirk e.V. gemeinsam mit dem Bambu Center in Accra durchführt.
Im August 2019 startete das Projekt mit einem Einführungswochenende in die Thematik. Was sind die Sustainable Development Goals (SDGs), über die von Regierungsseite in Ghana sehr viel geredet wird, die aber in der Bevölkerung wenig bekannt sind? Nachdem wir uns in dem ersten Workshop ausgiebig mit den 17 Zielen und ihren Unterzielen beschäftigt hatten, sollen sich die Teilnehmenden in den darauffolgenden Wochen und Monaten „ihre“ Ziele aussuchen, über die sie dann im nächsten Schritt schreiben würden.

In monatlichen Schreibwerkstätten trafen sich die Teilnehmenden zwischen September und November, um erste Ideen auszuformulieren und sogar erste Entwürfe zu teilen.

Erst mal sind die Basics dran…

Das Grundhandwerk fürs Schreiben wurde dann im zweiten Workshop durchgenommen. Dieser fand am 7./8. Dezember wieder im Bambu Center statt. Dezember ist in Accra generell ein chaotischer Monat und je näher Weihnachten rückt, desto verrückter wird alles. Deshalb wurde der Workshop auf das erste Wochenende terminiert. Trotz des frühen Termins kamen weniger Teilnehmende als zum ersten Workshop im August. Begründet wurde dies mit der Aussage „because of Christmas“, obwohl es noch ein paar Wochen bis Weihnachten waren. Der Workshop wurde gemeinsam von Tina Adomako und Chief Moomin geleitet, die in die Grundlagen des kreativen Schreibens einführten. Auch wurden nochmal – zur Auffrischung– die 17 SDGs besprochen, um die sich die Texte alle drehen sollen. Gemeinsam wurde anschließend an einem Mustertext gearbeitet. Am Ende blieb auch noch Zeit für das Vorlesen von ersten Entwürfen  – samt Verbesserungsvorschlägen aus der Runde.

Aufmerksame Teilnehmer*innen beim 2. Workshop

Weil klar war, dass „because of Christmas“ sich wenige Teilnehmende sich für die zusätlich geplante Monats-Schreibwerkstatt einfinden würden, haben die Projektpartner entschieden den Dezember-Termin ausfallen zu lassen und stattdessen einen Ausflug anzubieten. Bei den Gesprächen über Nachhaltigkeit und über die SDGs war die Natur immer ein besonders stark diskutiertes Thema. Deshalb entstand die Idee, einen Ausflug „in die Natur“ zu machen. In der Millionenstadt Accra gibt es für die meisten Menschen keine Rückzugsflächen. Es gibt keine öffentliche Grünflächen, keine städtischen Parks, keine Spielplätze. Nur die Bewohner der Villenviertel verfügen über großzügige Gärten. Für die meisten Menschen aus der Stadt ist der Begriff „Natur“ daher eher etwas Theoretisches. Deshalb haben wir am 14. Dezember einen Ausflug zum Botanischen Garten von Aburi gemacht.

Der „Tro-Tro“ mit dem die Gruppe sicher nach Aburi und zurück gefahren ist

Mit einem gemieteten TroTro, einem Kleinbus, der in Deutschland vom TüV sofort aus dem Verkehr gezogen worden wäre, sind wir die knapp 30 Kilometer vom Bambu Center, Adenta nach Aburi gefahren. Für diese Strecke haben wir fast 2 Stunden gebraucht. Ein Teil der Straße, die den Berg hoch führt, ist seit der letzten Regenzeit gesperrt. Auf Grund massiver Abholzung der Berghänge sind im September Schlammlawinen und Felsbrocken den Berg herunter gerollt. Zwei Spuren der erst vor kurzem eröffneten vierspurigen Straße, die den Verkehr etwas entlasten sollten, stehen seitdem nicht mehr zur Verfügung. So konnten wir schon während der Fahrt die SDGs thematisieren. Die Gruppe unterhielt sich nicht nur über Baum- und Naturschutz, sondern auch über Good Governance.

Blick von oben auf die Accra Plains – Besiedlung, so weit das Auge reicht

Eingang zum Aburi Botanical Garden

In Aburi angekommen, hat uns ein Park-Guide durch den Botanischen Garten geführt. Wir haben nicht nur viel über die Herkunft einheimischer Pflanzen erfahren, sondern auch, wofür viele Pflanzen genutzt wurden und z.T. noch genutzt werden. Obwohl Sheabutter in Ghana weit verbreitet ist, hatte niemand aus der Gruppe je einen Sheanuss-Baum gesehen. Im Park konnten die Teilnehmenden sehen, aus welcher Pflanze die Sheabutter hergestellt wird. Auch ein alter Kapokbaum rief Staunen hervor. „Mit den Baumwoll-artigen Fasern aus der Kapsel des Baums wurden früher Matratzen gefüllt“, erklärte Tina Adomako. Und ein Teilnehmer erinnerte sich daran, dass seine Oma tatsächlich früher eine solche Matratze besaß.

Beeindruckender Stamm eines Kapok Baums

Im Botanischen Garten wachsen auch Pflanzen aus anderen tropischen Regionen, wie etwa der Zimtbaum, der ebenfalls Staunen hervorrief. Denn obwohl Zimt auch in Ghana beliebt ist, war den jungen Leuten nicht bekannt, dass dieses Gewürz aus der Rinde eines Baums stammt.

Zimt in Naturform

So interessant der Rundgang durch den Park war, so traurig war auch die Erkenntnis, dass der Park schrumpft und die Pflege in den letzten Jahrzehnten deutlich nachgelassen hat. Der vielleicht letzte Rückzugsort, der für Bewohner der Megacity Accra halbwegs gut erreichbar ist, verkommt langsam zu einem Vergnügungspark, in dem am Wochenende Partys gefeiert werden. Statt Vogelgezwitscher hört man heute das Rattern von aufgestellten Generatoren und das Dröhnen der vielen Boom Boxen.

Naturschutz tut not, fanden am Ende der Tour allen Teilnehmenden der Gruppe. Somit waren wir wieder bei den SDGs, bei den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit und bei der Frage, wie es eine lebenswerte Zukunft für alle geben kann.

Zurück ging’s gut gelaunt und mit vielen neuen Endrücken

Vielleicht inspiriert der Parkbesuch ja zu dem einen oder anderen Beitrag für das geplante Buch. Im März/April findet ein drittes Wochenend-Treffen mit der Gruppe statt.

Das Projekt „Creative Resistance“ findet im Rahmen des Förderangebots zur Stärkung des entwicklungspolitischen Engagements von Diaspora-Organisationen von CIM statt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ.

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